Andachten

Hier finden Sie Andachten, die im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen gehalten wurden oder im Gemeindebrief abgedruckt waren. Je nach zeitlichem Abstand der Veranstaltungen kann die Veröffentlichung neuer Andachten etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

 

Anstiftung zur Musik

Eine Feder, keinen Stift sehe ich. Und doch muss, wer andere zum Musizieren anstiften will, gute Gründe dafür nennen.

Und sogleich fallen uns viele ein. Die selber Musik betreiben, als Hobby, als Beruf, als Lebensinhalt und -aufgabe werden wohl mehr aufzählen können als die reinen Musikgenießer, oder nicht?

Als Musikliebhaber und zugleich Anstifter zum Musizieren hat Martin Luther »seine Musikauffassung in der lateinischen Skizze ‘Über die Musik’ (1530) wiedergegeben:

‘Ich liebe die Musik, auch gefallen mir nicht, die sie verdammen, die Schwärmer. 1. Weil sie Gabe Gottes und nicht der Menschen ist; 2. weil sie die Seelen fröhlich macht, 3. weil sie den Teufel vertreibt; 4. weil sie unschuldige Freude macht. Dabei vergehen Zorn, Begierden, Hochmut. Den ersten Platz gebe ich der Musik nach der Theologie. Das ergibt sich aus dem Beispiel Davids ... 5. Weil sie in der Friedenszeit herrscht ... Ich lobe die Fürsten Bayerns deshalb, weil sie die Musik pflegen. Bei uns Sachsen werden Waffen und Bombarden gepredigt.’« (aus: „Kirche klingt“. EKD Texte 99)

Die Sachsen haben seit Luthers Zeiten freilich enorm aufgeholt, ja sogar die Bayern überholt, wenn man nach der Anzahl der Musiker-museen geht, die es heutzutage in beiden Freistaaten gibt.

Über die kirchenmusikalischen Feste und unsere besonderen musikalischen Gottesdienste dieses Jahres hinaus mag vielleicht ein Angebot der Sprengelkantorin Antje Ney in unseren Gemeinden für Anstiftung zum Musizieren sorgen. Wir überlegen, welche Einsatzmöglichkeiten eine Praktikantin und eine FSJlerin bei uns finden können. Haben also die Feder neu getränkt, damit die Kirche sich auszeichne durch Musik, »weil sie Gabe Gottes und nicht der Menschen ist«.

Stifter sind willkommen!                                           

Es grüßt Sie/Euch Alberto Kaas, P.

 

 

Andacht zum 2. Brief an die Korinther, Kapitel 3, Vers 17

(gehalten am 11. März 2016 bei der Jungen Erwachsenenfreizeit in Heidelberg)

 

Eine Freundin von mir ist heute zu Besuch gekommen und wird ein paar Tage bei mir wohnen. Und wie das so ist als ordentliche Gastgeberin, habe ich den Vormittag damit verbracht, mein Zimmer aufzuräumen. Ich habe das Geschirr abgewaschen, den Müll rausgebracht, den Fußboden gefegt und gewischt und das Bad geputzt. Das Bad zu putzen dauerte am längsten. Wahrscheinlich, weil das meiste im Badezimmer weiß ist – und es bei allen weißen Sachen immer schwierig ist, sie sauber zu halten oder sauber zu machen. Glücklich und zufrieden war ich erst, als ich beim letzten Punkt auf der Badputzliste angekommen bin: dem Spiegel.

 

Den Spiegel zu putzen macht mir eigentlich Spaß, aber trotzdem bin ich immer etwas zwiegespalten. Einerseits ist es schön, wenn alle Punkte und Striche, die sich auf dem Spiegel angesammelt haben verschwinden, andererseits sieht man auch wieder die ganzen nicht so schönen Dinge. Augenringe am Morgen und sowas. Der Spiegel spiegelt, wie ich aussehe. Wie ich auf andere wirke. Wie andere mich sehen. Und auch ein Stück weit, wie ich mich selbst sehe.

 

2Kor 3,17 (Neue Genfer Übersetzung)

[Der] Herr aber ist der Geist […]. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Ja, wir sehen mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit des Herrn. Wir sehen sie wie in einem Spiegel, und indem wir das Ebenbild des Herrn anschauen, wird unser ganzes Wesen so umgestaltet, dass wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen. Diese Umgestaltung ist das Werk des Herrn; sie ist das Werk des Geistes.

Paulus spricht hier davon, dass wir wie in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn sehen. Was ist damit gemeint? Was ist das für ein Spiegel, wenn wir durch ihn Gott in seiner ganzen Majestät und Herrlichkeit sehen können? Mein Spiegel im Badezimmer kann damit wohl nicht gemeint sein, denn Gott habe ich darin noch nie gesehen.

 

Gott sehen – das funktioniert nicht durch irgendwelche Gegenstände wie Spiegel, Fernglas oder Mikroskop. Gott sehen können wir nur in und durch Jesus Christus. Jesus ist unser Spiegel. Der Spiegel, in dem wir Gott sehen können. Spiegel dienen jedoch nicht nur dazu, etwas zu sehen und zu erkennen, sondern sie haben auch noch eine ganz andere Eigenschaft. Ein Spiegel hat immer auch eine rückwirkende Funktion. Wenn ich in den Spiegel gucke, verändere ich meinen Blick auf mich selbst (mal zum besseren – oh, meine Haare liegen ja schön heute; mal zum schlechteren – hm, meine Augenringe sind noch tiefer als befürchtet…). So ist es auch, wenn Jesus der Spiegel ist. Wenn ich Jesus anschaue, mich mit ihm beschäftige, verändert sich mein Wesen. Ich lerne mich selbst so zu sehen, wie Gott mich schon immer gesehen hat. Ich werde von ihm umgestaltet. Ich werde ihm ähnlicher.

 

In dieser Umgestaltung liegt meine Freiheit. Ich werde frei von dem Zwang, mich permanent für Gott attraktiv machen zu müssen – denn er selbst gestaltet mich so, wie er mich haben will. Gottes Geist wirkt in mir. So bekomme ich immer mehr Anteil an Gottes Herrlichkeit. Gott schenkt mir die Freiheit, nicht so bleiben zu müssen, wie ich bin. Auch wenn ich von der Umgestaltung in meinem Inneren oft nicht viel in meinem Badezimmerspiegel sehen kann, bin ich gewiss, dass jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue – Jesus auf mich zurücksieht. Und das ganz ohne lästige Punkte und Striche, sondern glasklar – mitten ins Herz. Er sieht mich wie ich bin. Und er sieht mich, wie Gott mich sieht. Darum putzt er meinen Spiegel – damit ich die Freiheit erkennen kann, die sein Geist jeden Tag neu in mir wirkt.

 

Andacht zum Evangelium nach Markus, Kapitel 1, Vers 35

Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.

 

Das war ein anstrengender Tag. Dutzende Menschen mit akuten Verletzungen und alle mussten praktisch gleichzeitig versorgt werden. Das zerrt an den Nerven. Jeder braucht besonders viel Aufmerksamkeit. Diese Situation kennen wir aus den Nachrichten. Die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern sind auf Hilfe angewiesen.  Nahrungsmittelversorgung, Kleidersammlung, Unterkunftsverteilung… In eine ganz ähnliche Lage sind auch Jesus und seine Anhänger schon vor 2000 Jahren geraten. Jesus lehrte morgens in der Synagoge, kehrt danach im Haus des Simon ein, heilt die Schwiegermutter des Gastgebers von tödlichem Fieber und schon kommen sie. Scharen von Kranken und Besessenen. Alle kommen zu Jesus und bitten um Heilung. Und Jesus heilt. Den ganzen Abend ist er damit beschäftigt, den Kranken zu helfen und böse Geister auszutreiben. Erst spät sind die meisten Menschen versorgt.

 

Am nächsten Tag steht Jesus früh auf. Schon vor dem Sonnenaufgang. Natürlich sind noch Kranke da, aber Jesus zieht sich zurück. Gerade dann, wenn besonders viel zu tun ist, geht Jesus in die Einsamkeit. Viele Stimmen reden auf ihn ein und sagen, was jetzt zu tun ist. Doch Jesus interessiert sich nur für eine Stimme. Er bittet im Gebet um Gottes Weisung. Er vertraut darauf, dass Gott eingreift, wenn die Lage zu schwierig wird, um sie bewältigen zu können. Gott schenkt Mut, neu aufzubrechen und da zu helfen, wo Hilfe dringend gebraucht wird. Daran dürfen wir uns auch erinnern, wenn uns die Versorgung der Flüchtlinge über den Kopf zu wachsen droht. Jesus Christus hat uns durch seinen Tod am Kreuz die Freiheit geschenkt, Herr und Diener zu sein. Entscheidungen zu treffen, Herr zu sein über die Dinge und anderen selbstlos zu helfen, wie Jesus es getan hat. Vor der Notsituation anderer Menschen nicht die Augen zu verschließen und dort zu helfen, wo wir können, ist Gottes Auftrag an uns. Doch wichtiger ist, bei all unserem Tun (und auch Nicht-Tun), im Gespräch mit Gott zu bleiben und auf seine Weisung zu vertrauen.  

 

"Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu dir. Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht. Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. "

nach dem Gebet von Dietrich Bonhoeffer

Andacht zum Evangelium nach Markus, Kapitel 3, Verse 13-17

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da

ließ er‘s geschehen. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 

Es kracht, es donnert, es blitzt. Wenn man keinen Blick aus dem Fenster geworfen hätte, hätte einem wohl das Gewitter des Jahrhunderts vor Augen geschwebt. Aber an Silvester ist wohl alles anders. Uns sind die Bilder noch im Kopf. Grelle Lichter am Himmel, gepaart mit donnerndem Getöse. Egal ob im heimischen Wohnzimmer oder mitten im Geschehen – entziehen konnte sich dem Spektakel wohl kaum einer.

 

Wie war das wohl für Jesus, den Sohn des Zimmermanns Josef? Er lässt sich taufen – genauso wie so viele zu der Zeit. Und genau in dem Moment, als er aus dem Wasser auftaucht, öffnet sich der Himmel und er hört eine Stimme von oben herab. So etwas hat sicher keiner jemals vorher gesehen. Auch Jesus nicht. Hat er sich gefürchtet?

 

Die Raketen an Silvester sind für uns in der Regel nichts Ungewöhnliches mehr. Wir können nachvollziehen, von wem sie abgefeuert wurden. Auch an die Lautstärke haben wir uns gewöhnt, die das neue Jahr einläuten soll. Erschreckend wird es für uns erst, wenn wir nicht sicher sagen können, wo Erscheinungen am Himmel ihren Ursprung haben. Wenn Stimmen scheinbar aus dem Nichts kommen. An diesem Punkt sind wir Menschen mit unserem, von der Aufklärung geprägten Verstand, alle gleich. Wir neigen dazu, alles erklären zu wollen. Doch wenn Gott sich offenbart – vom Himmel herab – ist jeder menschliche Erklärungsversuch aussichtlos. Das macht uns Angst.

 

Vielleicht liegt darin begründet, weshalb Gottes Geist wie eine Taube über Jesus kommt. Gott kommt nicht mit Blitz und Donner, sondern mit einem Flügelschlag. Die Taube als Symbol des Friedens trägt die Liebe des Vaters zu seinem Sohn Jesus Christus. Ganz leise zeigt Gott mit dem Finger von oben herab auf Jesus. Auf den Jesus, der sich trotz aller Angst und Widerstände seiner Aufgabe als Sohn Gottes gestellt hat. Auf den Jesus, der seinen Weg mit uns auf dieser Welt gegangen ist. Wenn wir nun in das neue Jahr gehen, dürfen wir uns auf Jesus als unseren Wegbegleiter in dieser Welt verlassen. Wir dürfen mit dem Finger auf den zeigen, der diese Welt überwunden hat.