Andachten

Hier finden Sie Andachten, die im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen gehalten wurden oder im Gemeindebrief abgedruckt waren. Je nach zeitlichem Abstand der Veranstaltungen kann die Veröffentlichung neuer Andachten etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Bild von Timur Kozmenko auf Pixabay

»Gen Himmel aufgefahren ist…«

Abheben. Aufgehoben werden in den Himmel. Ballonfahrer sind Luftfahrer. Sind sie auch Himmelfahrer?

 

Ist das eine Frage des Blickwinkels? Auf dem Bild hängen noch viele Ballons ziemlich dicht überm Boden. Die Körbe scheinen vollbesetzt zu sein – gar übervoll?

 

Es gibt einige Ausreißer. Ihnen ist es schon gelungen, daß sie in das Luftmeer entschweben und den anderen davonfahren.

 

 Die Himmelfahrt Christi kommt ganz ohne Fahrzeuge aus, braucht we-der Raumschiff noch Aufzug. Ist keineLuftfahrtunternehmung. Eine Be-förderung völlig ohne Transportgerät – zur einflußreichsten Stellung im Universum; ein Aufstieg ohne die Mühen der Karriereleiter – zu Gott, wohin sonst kein Mensch gelangt. Doch der nun in die Herrscherposi-tion zur Rechten Gottes eingesetzt wird, ist nicht abgehoben. Hat unser Leben auf Staubniveau geteilt, das Leid und die Schuld, die ganze ver-fahrene menschliche Situation auf sich genommen. Kennt, was unser irdisches Schicksal ausmacht. Und erhebt sich nicht über die Kleinen, die Niedrigen, oder die, welche unterliegen und von den Siegern liegengelassen werden.

[Schlimmer noch, wenn dies von den eigenen Leuten geschieht. Die russischen Soldaten, so ist zu lesen, haben sich im Ukrainekrieg we-der ihrer verwundeten Kameraden angenommen und sie versorgt noch ihre toten geborgen. Wenn das die Werte sind, die gegen den Westen geschützt werden sollen, was sind die dann wert?]

 

Christus, der in den Himmel erhöht, zu Gott erhöht wurde, genießt nun nicht den Ausblick, was ihm jeder mitfühlende Mensch wohl gönnen würde. Man mag sich kaum ausmalen, was er (wie wir sagen würden) »von da oben« alles zu sehen bekommt.

   Christi Himmelfahrt ist nicht das Vorbild für die Weltraumausflüge der Superreichen, sondern ist seine Einsetzung in umfassende Verant-wortung. Ich fürchte, da werden nicht unendlich viele Glückshormone ausgeschüttet, weil die Aussicht so herrlich ist. Sein Teilhaben an der Herrschaft Gottes wird ihm eher an die Nieren gehen, so wie es dem irdischen, an unserem Ergehen teilnehmenden Jesus an die Einge-weide ging, innerlich zerriß, wenn er menschliche Not wahrnahm.

Wir haben einen, der auf uns schaut. Dem wir nicht egal sind. Der nun auch unbegrenzten Einfluß hat. Der Machtverhältnisse umkehren, Schicksale ändern kann.

Was dem Ballonfahrer während seiner 60-90minütigen Fahrt durch den Kopf gehen mag, kann man vielleicht nachempfinden.

Was die Veränderung, welche durch Christi Himmelfahrt eingetreten ist, ihm eingebracht hat, läßt sich nur mit Psalmworten nachsprechen:

Der HERR ist hoch über alle Völker; / seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

Wer ist wie der HERR, unser Gott, / der oben thront in der Höhe,

der herniederschaut in die Tiefe, / auf Himmel und Erde;

der den Geringen aufrichtet aus dem Staube / und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

daß er ihn setze neben die Fürsten, / neben die Fürsten seines Volkes.

 

Das sollte weltweit anerkannt werden:

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang / sei gelobet der Name des HERRN!

Alberto Kaas

 

 

 Hölle und Himmel (in Heide) - eine Hilfe zur Orientierung

 

Die Hölle liegt links. Und sie ist zu. Sie ist dicht – und dicht bebaut, Haus an Haus. Wir lassen sie links liegen, wenn wir im schleswig-hol-steinischen Heide den Parkplatz des Bekleidungshauses Ramelow in vorgeschriebener Richtung verlassen. Die Hölle liegt links und sie ist dicht, man kommt nicht hinein. Darf nicht hineinfahren.

 

Der Weg führt geradeaus geradezu ins Paradiesische. Eine schöne Parkanlage ist es, auf die man zuhält. Bäume, Sträucher, Wasser, Bänke, alles lädt zum Verweilen ein, dazu sich dort niederzulassen. Warum eigentlich tun wir’s nicht und fahren jedesmal am Paradies vorbei?

 

In die Hölle kommt man, wenn man will, auf dem Hinwege leicht hinein. Nur wenden darf man nicht; es handelt sich bei ihr um eine Einbahnstraße. Sie ist nur kurz. Ob es sich dabei um ein Vergnügen handelt, weiß ich nicht. Wer aus ihr heraus will, hat es zugleich leicht und schwer. Er muß sie bis zum Ende durchfahren (durchleben), nur die Straße queren, auf der wir aus der Stadt hinausfahren, und schon landet er im Himmelreich. Besser in der »Himmelreichsstraße«.

 

In sie einzuscheren, bringt Verlust mit sich; man müßte das Auto stehenlassen und sogleich mit Verlassen der Hölle auch aus der Welt schaffen. Denn der Weg, der nach dem Himmelreich benannt ist, ist zunächst eine enge Spielstraße, nur für Fußgänger begeh- und erleb-bar. Dann zwischen zwei Häuserblöcken weitet sie sich. Das ahnt man zuerst nicht, muß man wissen und erleben. Sonst überwiegt der vorherrschende Eindruck der Enge.

 

Die Himmelreichsstraße liegt rechts. Um in sie hineinzulangen, braucht es Verzicht. Wir aber sind motorisiert. Und wollen raus aus der Stadt. Heide hat so viel denn auch nicht zu bieten. Wir lassen die Him-melreichsstraße immer rechts liegen. Dieser Verlust ist zu verschmer-zen. Es geht ja Richtung Paradies. Aber warum nur fahren wir jedesmal daran vorbei – und verweilen nicht?

 

 

Die Himmelreichsstraße führt auf den Marktplatz, den größten in Norddeutschland. Das Himmelreich endet nicht in Isolation, sondern öffnet sich dem gemeinschaftlichen Leben und Austausch, dem Feiern und dem Marktgeschehen, Kommerz und Kultur, Verdienst und Vergnügen.

 

Alberto Kaas

 

 

Wohl(der)Geruch der Zuneigung Gottes

(von Pastor Alberto Kaas)

Lüftungsfragen spielten bei Kirchbauten früher wohl eher eine untergeordnete Rolle. Uns hat die Schwierigkeit, daß sich die Pella-Kirche nicht ausreichend belüften läßt, in der zurückliegenden Phase der Pandemie sehr beeinträchtigt. Nun kehren wir mit unseren Gottesdiensten am 27. März zurück in die Kirche. Hoffen, daß viele wieder hereinschnuppern, denen zuvor die dicke Luft nicht ganz geheuer war. An die Bedeutung des Stallgeruchs haben mich diese Erlebnisse erinnert:

Die freundliche Buchhändlerin will mir einen Roman schmackhaft machen: Er spielt um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Handwerksbursche ist auf dem Wege nach Hause, nach Böhmen.

Spät abends sucht er einen Platz zum Schlafen. Er geht in ein Gebäude, bei dem es sich seiner Meinung nach um eine Kirche handeln muß; legt sich dort auf einer Bank nieder, wobei er sich nur wundert, daß es an dem Ort ganz ungewöhnlich riecht – so gar nicht nach Kirche.

Am nächsten Morgen wird ihm klar, was ihn beim Niederlegen befremdet hatte. In diesem Raum ausgebreitet ist der Geruch von Freiheit: Der Handwerksbursche hatte in der Frankfurter Paulskirche1 übernachtet.

Soll das ein Gegensatz sein: Kirche und der Geruch von Freiheit? Was meint die Romanschreiberin, wie eine Kirche eigentlich riecht? Es wird wohl nicht der Duft des Weihrauchs gewesen sein, den ihr Mann aus dem Volke vermißt hatte.

Später entsann ich mich dessen, daß mich mein Vikarsvater eines Sonntagnachmittags mit in die Kirche genommen und mich dabei gefragt hatte: »Alberto, riechst du es?« — »Es riecht nach Gemeinde!«

Darauf wollte er mich aufmerksam machen. Noch lag in der Kirche der Geruch von Menschen, ihrem Atem und ihrem Schweiß. Der Duft von Parfüm und Bonbons, Ausdünstungen der Kleidung, der Geruch von Schuhcreme standen noch im Raum. Er konnte sie gut riechen, seine Gemeinde.

Über der Gemeinde ausgebreitet liegt der Wohlgeruch der Zuneigung Gottes. Man sollte es wieder tun: vermehrt diesen Duft schnuppern!

 

1 Die Paulskirche war die evangelisch-lutherische Hauptkirche der Stadt Frankfurt am Main. Hier tagten von 1848 bis 1849 die Delegierten der Frankfurter Nationalversammlung, der ersten Volksvertretung für ganz Deutschland. Seit 1948 dient sie als politische Gedenkstätte sowie als Versammlungsort für besondere Festakte und bedeutende Preisverleihungen. Wie kein anderer Ort symbolisiert die Frankfurter Paulskirche bis heute das Streben der deutschen Nation nach nationaler Einheit und demokratischer Freiheit. (Schreibt der Deutsche Bundestag)

09.03.2022

Über den Gräbern

Bild: ElisabethMatzke

Über den Gräbern in der Oldendorfer Totenstatt stand auch in diesem Jahr am Tage Christi Himmelfahrt erneut ein Birkenkreuz aufgerichtet. Heinrich Matzke hat es wieder beigesteuert zu unserem Ökumeni-schen Gottesdienst, den wir unter dem offenen Himmel und über den offenen Gräbern feiern. ElisabethMatzke hat das Bild aufgenommen. Es nimmt einen mit, es rührt an. Warum nur?

 

 Auch wenn die Sonne sich zunächst nicht zeigen wollte an diesem Maimorgen, lag doch keine Novemberstimmung über dem Himmel-fahrtstag, wie sie das tut, wenn wir am Ewigkeitssonntag uns auf den Friedhöfen einstellen, um über den Gräbern die Auferstehungshoff-nung auszubreiten mit dem Spiel derPosaunenchöre.

 

  Das Erstaunen, was uns berührt, kommt sicher von der überwältigen-den Massivität der Steine, welche für dies Großsteingräber herange-schafft werden mußten und »verbaut« wurden. Und von den uns un-vorstellbargroßen Zeiträumen, mit denen wir es hier zu tun haben. Nicht ohne guten Sinn trägt die Ausstellung im nahegelegenen Mu-seum den Titel »Wohnungen für dieEwigkeit – 5700 Jahre Oldendorfer Totenstatt«.

 

  Wie übermächtig und beinahe wirklich ewigkeitsgesättigt wirken die Steine im Vergleich zum nahezu zarten und vergänglichen Gebilde des Birkenkreuzes, das wir nur anlaßbezogen hier aufrichten, um hinterher zurückzukehren in unsere schützenden   Häuser – die  doch nur Wohnungen auf Zeit sind – mit einem festen Dach über dem Kopf.

 

  Die Steine haben die Jahrtausende überdauert, die »Natur« hat ih-nen weniger anhaben können als der Mensch, der aus unterschiedli-chen Gründen eingegri!en hat in diese Anlage, die Ruhe der Toten nicht achtend.

  Fast mit einem leichten Gefühl des Unbehagens und einer stillen Bit-te um Erlaubnis, hier an diesem Ort sein zu dürfen, betreten wir immer wieder den Platz. Es hat auch einer von uns einmal angefragt und da-rum gebeten, daß ein Wort dazu gesagt werden möge, ob es denn statthaft sei, hier in der Oldendorfer Totenstatt Christi Himmelfahrt   zu feiern und so zu tun, als gäbe es nicht unter uns liegend eine aus-drückliche Jenseitsvorstellung und -hoffnung, über die man nicht ein-fach so hinwegschreiten könne.

 

  Nicht Mißachtung früherer, niederer und doch so ausdrucksmächtiger Glaubensformen ist es, die uns die Leichtigkeit beschert, mit der wir uns unter dem Zeichen des Kreuzes konfessionsübergreifend über den Gräbern versammeln.

 

  Auch nicht ein Pochen auf eigene Glaubensstärke und ein Beharren auf die bessere Qualität der Religion, der wir mit unserer Gottesdienst-feier an diesem Orts tattgeben…

 

  Völlig ohne Überheblichkeit, doch beschwingt, weil erleichtert, daß wir keine scheinbar unverrückbaren Steine zusammenschleppen müs-sen, um dem vergänglichen Leben einen Ewigkeitsbestand abzutrot-zen, statten wir diesem Gräberfeld Jahr um Jahr unseren Feiertagsbe-such ab.

 

Was so schwer zu bewältigen ist, noch schwerer als derTransport der großen Steine, die eigene Sterblichkeit, lassen wir uns im Glauben ab-nehmen durch Jesus, den Herrn, der dieses anbietet: »Ich bin die Auf-erstehungund das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben,auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt anmich, der wird nimmer-mehr sterben.« (Joh 11,25f).

 

  Das zarte Zeichen des Birkenkreuzes über den Gräbern genügt, soll es doch nur anzeigen, daß wir von der Stärke dessen leben, der sein Wort an uns gerichtet hat; wer diesen Herr in seinem Wort erfaßt, er-fährt eine Leichtigkeit des Seins, in die er beschwingt alle Kreatur einbeziehen möchte: »Erfreue dich, Himmel,erfreue dich, Erde«.

 

  So singen wir seit Jahren im Zeichen des Kreuzes über den Gräbern … und erstatten damit dem Herrn, was an Erleichterung, Freude und Zuversicht er mit seiner Selbstanpreisung bei uns auslöst. Und kom-men alljährlich wieder in die Oldendorfer Totenstatt mit Respekt vor der Schaffenskraft damaliger Menschen –übertroffen nur noch vom  Vertrauen in die uns verheißene neue Schöpfung Gottes.

 

Es grüßt Sie/Euch ein erleichterter P. Alberto Kaas.

 

Gedanken zur Jahreslosung 2019 (von Pastor Alberto Kaas)

 

»Suche Frieden und jage ihm nach!« (Psalm 34,15)

Die Bilder kennen wir womöglich alle aus dem Fernsehen. Ein Treppen-haus, Zimmerfluchten – oder wir blicken auf Hauseingänge: dicht gedrängt sehen wir Menschen auf Zimmersuche. Als Konkurrenten. Zumeist in den großen Städten gibt es diese Erfahrungen: Wohnraum ist ein begehrtes, ein umkämpftes Gut.

»Suche Zimmer« - zwei Wörter nur machen den Hilferuf aus, der über Wohl und Wehe entscheiden kann. »Biete Zimmer« – solch ein Angebot muß man in der Großstadt schon mit der Lupe suchen. In den Kleinanzei-gen steht davon wohl kaum etwas. Und ob es manchmal vorkommt, daß einer jemand anderem dieses Angebot ausspricht »biete Zimmer«?

Viele Menschen sind auf der Jagd nach einer Wohnung und haben das Nachsehen. Wenn das Angebot nur größer wäre! Oder ich mehr Glück hätte; mir nicht andere stets zuvorkämen!

Ob die Bilder uns einschüchtern und abschrecken? Daß wir aufgeben und uns damit begnügen die Wohnungsnot zu beklagen?

Das neue Jahr beginnt wie Weihnachten – mit Geschenken. Gott hat Frieden für uns im Angebot. Wirbt damit, daß wir Frieden bei ihm suchen sollen: »Suche Frieden und jage ihm nach!«

Vergeßt die Bilder, die ihr im Kopf habt! Laßt Euch von Unfrieden, Streit und Krieg nicht einschüchtern! Diese Jagd wird von Erfolg gekrönt sein. Für deine Friedenssuche gibt es die eine zuverlässige Adresse. Keiner kommt dir zuvor, schnappt dir weg, was du so lebenswichtig brauchst. Kampflos überläßt Gott dir seinen Frieden. So bietet es der Sohn uns an: »Meinen Frieden gebe ich euch.«

Angebote wollen nachgefragt, Geschenke entgegengenommen, entdeckt und zu eigen gemacht werden. Wie eine Wohnung bezogen wird, verwirk-licht sich der Friede Gottes, indem wir in ihn eintreten; und dann umfaßt er uns mit allem, was zu uns gehört: »…daß ich in Frieden bin mit mir und mit der Welt und auch mit dir.«

Ein herausragendes Geschenk zum Neuen Jahr!

 

Gebet zum Weltfriedenstag

 

Allmächtiger, dreieiniger Gott,

 

Schöpfer der Welt,

 

du Gott des Friedens, du willst den Frieden auf Erden.

 

Die Menschen, die dem Frieden dienen, sind deine Freunde.

 

Retter der Welt,

 

Jesus Christus, du Quelle des Friedens, du hast mit deinem Leiden und Sterben uns mit Gott versöhnt und Frieden gebracht.

 

Du leidest mit den Opfern von Gewalt und Hass.

 

Du bleibst bei den Verwundeten, Verzweifelten und Einsamen.

 

Du weinst über die, die ihre Hand zurückziehen und sich nicht versöhnen wollen. Du weinst mit den Weinenden und willst zerbrochene Herzen heilen.

 

Tröster der Welt,

 

Heiliger Geist, du Kraft des Friedens,

 

du gibst uns die Sehnsucht nach Frieden ins Herz. Du erleuchtest uns durch das Evangelium. Du weckst Glauben in uns.

 

Du verwandelst uns und machst uns neu, dass wir Menschen der Versöhnung, Menschen des Friedens sein können.

 

Dir klagen wir die Friedlosigkeit dieser Tage,

 

die vielen Kriege und ungezählten Toten.

 

Wir klagen dir die Hartherzigkeit derer, die Kriege beenden könnten,

 

und die Gier, die die Schöpfung zerstört.

 

Wir klagen dir unsere Unfähigkeit, Wege des Friedens zu gehen

 

und uns versöhnen zu lassen und wirklich Versöhnung zu suchen.

 

Wir bitten dich,

 

vereine die Menschen guten Willens, führe deine Gläubigen zusammen,

 

stärke den Mut, der Gewalt zu widerstehen,

 

zerbrich die Waffen und begeistere die Mächtigen für den Frieden.

 

Menschen des Friedens wollen wir sein.

 

Schaffe deinem Frieden Raum, in uns und durch uns,

 

du Gott des Friedens.

 

Wir bitten dich für uns und unsere Kinder,

 

für unsere Nächsten und diese Welt und rufen zu dir durch den, der Frieden gemacht hat, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

 

 

 

Anstiftung zur Musik

Eine Feder, keinen Stift sehe ich. Und doch muss, wer andere zum Musizieren anstiften will, gute Gründe dafür nennen.

Und sogleich fallen uns viele ein. Die selber Musik betreiben, als Hobby, als Beruf, als Lebensinhalt und -aufgabe werden wohl mehr aufzählen können als die reinen Musikgenießer, oder nicht?

Als Musikliebhaber und zugleich Anstifter zum Musizieren hat Martin Luther »seine Musikauffassung in der lateinischen Skizze ‘Über die Musik’ (1530) wiedergegeben:

‘Ich liebe die Musik, auch gefallen mir nicht, die sie verdammen, die Schwärmer. 1. Weil sie Gabe Gottes und nicht der Menschen ist; 2. weil sie die Seelen fröhlich macht, 3. weil sie den Teufel vertreibt; 4. weil sie unschuldige Freude macht. Dabei vergehen Zorn, Begierden, Hochmut. Den ersten Platz gebe ich der Musik nach der Theologie. Das ergibt sich aus dem Beispiel Davids ... 5. Weil sie in der Friedenszeit herrscht ... Ich lobe die Fürsten Bayerns deshalb, weil sie die Musik pflegen. Bei uns Sachsen werden Waffen und Bombarden gepredigt.’« (aus: „Kirche klingt“. EKD Texte 99)

Die Sachsen haben seit Luthers Zeiten freilich enorm aufgeholt, ja sogar die Bayern überholt, wenn man nach der Anzahl der Musiker-museen geht, die es heutzutage in beiden Freistaaten gibt.

Über die kirchenmusikalischen Feste und unsere besonderen musikalischen Gottesdienste dieses Jahres hinaus mag vielleicht ein Angebot der Sprengelkantorin Antje Ney in unseren Gemeinden für Anstiftung zum Musizieren sorgen. Wir überlegen, welche Einsatzmöglichkeiten eine Praktikantin und eine FSJlerin bei uns finden können. Haben also die Feder neu getränkt, damit die Kirche sich auszeichne durch Musik, »weil sie Gabe Gottes und nicht der Menschen ist«.

Stifter sind willkommen!                                           

Es grüßt Sie/Euch Alberto Kaas, P.

 

 

Andacht zum 2. Brief an die Korinther, Kapitel 3, Vers 17

(gehalten am 11. März 2016 bei der Jungen Erwachsenenfreizeit in Heidelberg)

 

Eine Freundin von mir ist heute zu Besuch gekommen und wird ein paar Tage bei mir wohnen. Und wie das so ist als ordentliche Gastgeberin, habe ich den Vormittag damit verbracht, mein Zimmer aufzuräumen. Ich habe das Geschirr abgewaschen, den Müll rausgebracht, den Fußboden gefegt und gewischt und das Bad geputzt. Das Bad zu putzen dauerte am längsten. Wahrscheinlich, weil das meiste im Badezimmer weiß ist – und es bei allen weißen Sachen immer schwierig ist, sie sauber zu halten oder sauber zu machen. Glücklich und zufrieden war ich erst, als ich beim letzten Punkt auf der Badputzliste angekommen bin: dem Spiegel.

 

Den Spiegel zu putzen macht mir eigentlich Spaß, aber trotzdem bin ich immer etwas zwiegespalten. Einerseits ist es schön, wenn alle Punkte und Striche, die sich auf dem Spiegel angesammelt haben verschwinden, andererseits sieht man auch wieder die ganzen nicht so schönen Dinge. Augenringe am Morgen und sowas. Der Spiegel spiegelt, wie ich aussehe. Wie ich auf andere wirke. Wie andere mich sehen. Und auch ein Stück weit, wie ich mich selbst sehe.

 

2Kor 3,17 (Neue Genfer Übersetzung)

[Der] Herr aber ist der Geist […]. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Ja, wir sehen mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit des Herrn. Wir sehen sie wie in einem Spiegel, und indem wir das Ebenbild des Herrn anschauen, wird unser ganzes Wesen so umgestaltet, dass wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen. Diese Umgestaltung ist das Werk des Herrn; sie ist das Werk des Geistes.

Paulus spricht hier davon, dass wir wie in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn sehen. Was ist damit gemeint? Was ist das für ein Spiegel, wenn wir durch ihn Gott in seiner ganzen Majestät und Herrlichkeit sehen können? Mein Spiegel im Badezimmer kann damit wohl nicht gemeint sein, denn Gott habe ich darin noch nie gesehen.

 

Gott sehen – das funktioniert nicht durch irgendwelche Gegenstände wie Spiegel, Fernglas oder Mikroskop. Gott sehen können wir nur in und durch Jesus Christus. Jesus ist unser Spiegel. Der Spiegel, in dem wir Gott sehen können. Spiegel dienen jedoch nicht nur dazu, etwas zu sehen und zu erkennen, sondern sie haben auch noch eine ganz andere Eigenschaft. Ein Spiegel hat immer auch eine rückwirkende Funktion. Wenn ich in den Spiegel gucke, verändere ich meinen Blick auf mich selbst (mal zum besseren – oh, meine Haare liegen ja schön heute; mal zum schlechteren – hm, meine Augenringe sind noch tiefer als befürchtet…). So ist es auch, wenn Jesus der Spiegel ist. Wenn ich Jesus anschaue, mich mit ihm beschäftige, verändert sich mein Wesen. Ich lerne mich selbst so zu sehen, wie Gott mich schon immer gesehen hat. Ich werde von ihm umgestaltet. Ich werde ihm ähnlicher.

 

In dieser Umgestaltung liegt meine Freiheit. Ich werde frei von dem Zwang, mich permanent für Gott attraktiv machen zu müssen – denn er selbst gestaltet mich so, wie er mich haben will. Gottes Geist wirkt in mir. So bekomme ich immer mehr Anteil an Gottes Herrlichkeit. Gott schenkt mir die Freiheit, nicht so bleiben zu müssen, wie ich bin. Auch wenn ich von der Umgestaltung in meinem Inneren oft nicht viel in meinem Badezimmerspiegel sehen kann, bin ich gewiss, dass jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue – Jesus auf mich zurücksieht. Und das ganz ohne lästige Punkte und Striche, sondern glasklar – mitten ins Herz. Er sieht mich wie ich bin. Und er sieht mich, wie Gott mich sieht. Darum putzt er meinen Spiegel – damit ich die Freiheit erkennen kann, die sein Geist jeden Tag neu in mir wirkt.

 

Andacht zum Evangelium nach Markus, Kapitel 1, Vers 35

Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.

 

Das war ein anstrengender Tag. Dutzende Menschen mit akuten Verletzungen und alle mussten praktisch gleichzeitig versorgt werden. Das zerrt an den Nerven. Jeder braucht besonders viel Aufmerksamkeit. Diese Situation kennen wir aus den Nachrichten. Die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern sind auf Hilfe angewiesen.  Nahrungsmittelversorgung, Kleidersammlung, Unterkunftsverteilung… In eine ganz ähnliche Lage sind auch Jesus und seine Anhänger schon vor 2000 Jahren geraten. Jesus lehrte morgens in der Synagoge, kehrt danach im Haus des Simon ein, heilt die Schwiegermutter des Gastgebers von tödlichem Fieber und schon kommen sie. Scharen von Kranken und Besessenen. Alle kommen zu Jesus und bitten um Heilung. Und Jesus heilt. Den ganzen Abend ist er damit beschäftigt, den Kranken zu helfen und böse Geister auszutreiben. Erst spät sind die meisten Menschen versorgt.

 

Am nächsten Tag steht Jesus früh auf. Schon vor dem Sonnenaufgang. Natürlich sind noch Kranke da, aber Jesus zieht sich zurück. Gerade dann, wenn besonders viel zu tun ist, geht Jesus in die Einsamkeit. Viele Stimmen reden auf ihn ein und sagen, was jetzt zu tun ist. Doch Jesus interessiert sich nur für eine Stimme. Er bittet im Gebet um Gottes Weisung. Er vertraut darauf, dass Gott eingreift, wenn die Lage zu schwierig wird, um sie bewältigen zu können. Gott schenkt Mut, neu aufzubrechen und da zu helfen, wo Hilfe dringend gebraucht wird. Daran dürfen wir uns auch erinnern, wenn uns die Versorgung der Flüchtlinge über den Kopf zu wachsen droht. Jesus Christus hat uns durch seinen Tod am Kreuz die Freiheit geschenkt, Herr und Diener zu sein. Entscheidungen zu treffen, Herr zu sein über die Dinge und anderen selbstlos zu helfen, wie Jesus es getan hat. Vor der Notsituation anderer Menschen nicht die Augen zu verschließen und dort zu helfen, wo wir können, ist Gottes Auftrag an uns. Doch wichtiger ist, bei all unserem Tun (und auch Nicht-Tun), im Gespräch mit Gott zu bleiben und auf seine Weisung zu vertrauen.  

 

"Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu dir. Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht. Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. "

nach dem Gebet von Dietrich Bonhoeffer

Andacht zum Evangelium nach Markus, Kapitel 3, Verse 13-17

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da

ließ er‘s geschehen. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 

Es kracht, es donnert, es blitzt. Wenn man keinen Blick aus dem Fenster geworfen hätte, hätte einem wohl das Gewitter des Jahrhunderts vor Augen geschwebt. Aber an Silvester ist wohl alles anders. Uns sind die Bilder noch im Kopf. Grelle Lichter am Himmel, gepaart mit donnerndem Getöse. Egal ob im heimischen Wohnzimmer oder mitten im Geschehen – entziehen konnte sich dem Spektakel wohl kaum einer.

 

Wie war das wohl für Jesus, den Sohn des Zimmermanns Josef? Er lässt sich taufen – genauso wie so viele zu der Zeit. Und genau in dem Moment, als er aus dem Wasser auftaucht, öffnet sich der Himmel und er hört eine Stimme von oben herab. So etwas hat sicher keiner jemals vorher gesehen. Auch Jesus nicht. Hat er sich gefürchtet?

 

Die Raketen an Silvester sind für uns in der Regel nichts Ungewöhnliches mehr. Wir können nachvollziehen, von wem sie abgefeuert wurden. Auch an die Lautstärke haben wir uns gewöhnt, die das neue Jahr einläuten soll. Erschreckend wird es für uns erst, wenn wir nicht sicher sagen können, wo Erscheinungen am Himmel ihren Ursprung haben. Wenn Stimmen scheinbar aus dem Nichts kommen. An diesem Punkt sind wir Menschen mit unserem, von der Aufklärung geprägten Verstand, alle gleich. Wir neigen dazu, alles erklären zu wollen. Doch wenn Gott sich offenbart – vom Himmel herab – ist jeder menschliche Erklärungsversuch aussichtlos. Das macht uns Angst.

 

Vielleicht liegt darin begründet, weshalb Gottes Geist wie eine Taube über Jesus kommt. Gott kommt nicht mit Blitz und Donner, sondern mit einem Flügelschlag. Die Taube als Symbol des Friedens trägt die Liebe des Vaters zu seinem Sohn Jesus Christus. Ganz leise zeigt Gott mit dem Finger von oben herab auf Jesus. Auf den Jesus, der sich trotz aller Angst und Widerstände seiner Aufgabe als Sohn Gottes gestellt hat. Auf den Jesus, der seinen Weg mit uns auf dieser Welt gegangen ist. Wenn wir nun in das neue Jahr gehen, dürfen wir uns auf Jesus als unseren Wegbegleiter in dieser Welt verlassen. Wir dürfen mit dem Finger auf den zeigen, der diese Welt überwunden hat.