Gottesdienste

Liebe Geschwister aus den Kirchengemeinden in Hörpel und Sottorf,

 

wieder sende ich einen Brief an diejenigen, über deren E-Mail-Adressen ich ver-füge, mit der Bitte, ihn in irgendeiner Form weiterzuleiten und mit denen zu teilen, mit denen Sie/Ihr in Mail- und anderem Kontakt stehen/steht oder in deren Nähe Sie/Ihr wohnen/wohnt.

 

Heruntergefahrenes Leben in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, in Wirt-schaft, Kultur und Vereinen, auch in Kirchengemeinden – wir sind erfüllt von Sorgen, Befürchtungen, Verständnis oder auch Unverständnis. Und man kann nichts machen außer still zu halten, sich einzuschränken, ist das Empfinden; und möchte gern etwas tun, wenigstens ein Zeichen setzen. Aber was wäre das?

 

Es gibt in dieser Zeit so viele Meinungen wie Ratschläge, guter oder auch lächer-licher Art; es wird auch Leute geben, welche die Situation ausnutzen werden.

 

Wir können miteinander im Gespräch bleiben, aufeinander achten und gute An-gebote, von denen es viele gibt, uns dienen lassen. Für die vergangenen Sonnta-ge haben viele das Angebot der Fernsehgottesdienste genutzt. Für sie spricht, daß sie professionell gemacht sind mit einer guten Ton- und Bildqualität (sodaß man gut mitgehen kann) und so etwas wie eine überregionale Gemeinschaft her-stellen.

 

Aus der Zionskirche in Hamburg etwa gibt es sonntäglich wie auch von den Passionsandachten jeweils am Mittwoch Streaming-Gottesdienste unter:

 

https://www.youtube.com/channel/UCzxhgwoH-cZ5oLTcNSKfC-Q

 

Solange das Versammlungsverbot und das umfassende Kontaktverbot bestehen, sind dies Möglichkeiten, an der Gemeinsamkeit der Feier des Gottesdienstes – wenn auch auf Abstand – in besonderer Weise festzuhalten. Hoffentlich wird uns an Karfreitag und Ostern schon wieder mehr möglich sein.

 

Mit etlichen unter Ihnen/Euch hatte ich in der zurückliegenden Zeit telefonisch Kontakt. Das fand ich sehr schön. Und will ich weiter pflegen. Bleibe auch selbst für Sie und Euch erreichbar.

In herzlicher Verbundenheit

 

Alberto Kaas, P.

 

 

27.03.2020

 

Liebe Geschwister in den Gemeinden St. Pauli Hörpel und Pella Sottorf/Amelinghausen!

‘Mir ist gar nicht klar, wo drauf das hinauslaufen soll.’ ‘Wir können noch nicht absehen, ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen, wann wir wieder…’ So oder ähnlich reden wir in dieser Zeit, hören es aus dem Mund von vertrauten Menschen und Experten, die der Öffentlichkeit den Weg des Landes zu erklären versuchen. ‘Wir fahren auf Sicht.’

Und die ist auf einmal sehr begrenzt, merken wir. Merken, daß wir Menschen sind mit begrenzten Fähigkeiten – technischen, finanziellen, politischen, prognostischen – und auch was unser Wissen und unser inneres Arsenal an Abwehrkräften angeht.

 

Nähe zu zeigen und zu leben, indem wir Abstand voneinander halten, das widerstrebt uns, damit kommen wir gefühlsmäßig nicht klar, obwohl der Kopf es begreift. Es gehört zum Glück, ja zum Wesen unseres Menschseins, dass wir Begegnung und Austausch mit anderen haben, ob losen oder engen Kontakt, Zufallsbeziehungen oder gewachsene. Und plötzlich sehen wir im Mitmenschen vor allem eine Gefahrenquelle. 

 

Das läßt uns am Sinn der Schöpfung selbst zweifeln. Wir sehen nicht, was das soll. Und fragen vielleicht sogar, ob Gott sieht, daß wir so überhaupt nicht klarkommen. Ob er unsere Situation noch wahrnimmt; absieht, wo drauf es hinausläuft?

Die ersehnte Frühlingssonne scheint uns seit Tagen, die doch selbst noch winterlich sind mit kalten, klaren Nächten. Wir können die Sterne sehen.

Da paßt die Aufforderung:

»Hebt eure Augen in die Höhe und seht: Wer hat diese erschaffen? Der hervortreten läßt der Reihe nach ihr Heer, sie alle ruft er beim Namen«. 

Der Schöpfer behält alles im Blick, auf sein Kommando hört alles, so daß das Leben eine Grundlage, einen Rahmen und eine Ordnung hat, in der es gedeihen kann. Das ist klar zu sehen. Am Blick auf die Sterne sollen wir uns die Einsicht holen. Die Schöpfung steht nicht völlig Kopf, auch wenn es uns so erscheint, der Schöpfer behält einen klaren Kopf und die Übersicht. Und er hat die Mittel, die Lebensbedingungen neu zu stiften.

 

Statt zur Geduld aufzurufen, zu vertrösten, stellt er uns vor Augen, wie es ist, wenn wir beharrlich auf ihn und seine Zuwendung warten und so Anschluß finden an seine lebens-spendende und -erhaltende Wirklichkeit. Was heruntergefahren daliegt, kann er mit neuem Aufschwung, Ausdauer und langem Atem versehen. Und mit Kraft: über uns hin-auszublicken und den anderen zu sehen … als Mitgeschöpf an unserer Seite.

 

»Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, sie treiben Schwingen wie die Adler. Sie laufen und werden nicht matt, sie wandern und werden nicht müde.«

Daß wir so beschwingt sein mögen, wünsch ich uns     

 

Ihr/Euer P. Alberto Kaas

[Worte der Bibel aus Jesaja 40,25+31]